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Tageslosung  

Tageslosung vom 25.04.2019
Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.
   

Jahreslosung 2019  

Gott spricht:

"Suche Frieden und jage ihm nach!"

Psalm 34,15 (L)

   

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Martin Luther ist der Namenspatron unserer Kirche.

Neuer LutherkopfAllein durch Glaube, allein durch Gnade, allein die Schrift, allein Christus, so fasste Martin Luther seine theologische Glaubensbotschaft zusammen

Deswegen im weiteren Artikel ein interessanter Vortrag von Dekan i.R. Dr. Rainer Uhlmann über den Menschen Luther, sein Erleben, seine Glaubenskämpfe:

Anlässlich des Lutherjahres wurde ich gebeten, über die "solae" Luthers zu sprechen: sola scriptura, sola gratia, sola fide, (solus Christus). Damit stoßen wir zum Kern des reformatorischen Denkens vor, quasi zu den essentials oder basics. Das Lutherjahr geht auf den 31.10.1517 zurück, als Martin Luther der Überlieferung nach seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche geschlagen hat. Vor 533 Jahren wurde Luther geboren, am Martinstag wurde er getauft. Auch wenn nicht bewusst miterlebt, hat sich Luther auf seine Taufe immer wieder berufen: baptizatus sum (ich bin getauft). In den schwersten Stunden seines Lebens hat Martin Luther sich das gesagt und daran Halt gefunden. Er hat es sich mit Kreide auf den Tisch geschrieben, wenn er in Anfechtung war.

Kontext und Wirkungsgeschichte der Reformation

  1. Es bestand die Jahrhunderte währende Forderung einer Reform der Kirche an "Haupt und Gliedern". So befinden sich unter den elf Gestalten am Luther-Denkmal in Worms auch sog. Vorreformatoren: Johannes Hus, Rektor der ältesten deutschen Universität in Prag, der das Abendmahl in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) reichte und darum auf dem Konstanzer Konzil 1415 verbrannt wurde. John Wyclif, der britische Theologe und Philosoph, der als "Morgenstern der Reformation" bezeichnet wurde. Petrus Waldus, ein reicher Kaufmann aus Lyon, der sich Teile der Bibel hat ins Provenzalische übersetzen lassen und in Südfrankreich und Oberitalien das Evangelium verkündete; aus ihm sind die Waldenser als erste reformatorische kirchliche Gruppierung hervorgegangen. Girolamo Savonarola, italienischer Dominikaner und Bußprediger,
    der mit seiner Kritik am Lebenswandel des herrschenden Adels und Klerus Aufsehen erregte; er war faktisch Herrscher über Florenz von 1494 bis kurz vor seiner Hinrichtung 1498.
  2. Die Erfüllung der Reformforderung "an Haupt und Gliedern" kam im 16. Jahrhundert. Sie bedeutete jedoch nicht die Reform der Römischen Kirche, sondern die Auflösung der kirchlichen Einheit in letztlich fünf Kirchen: katholisch, lutherisch, reformiert, anglikanisch und die spiritualistischen Gemeinschaften. Der Verlust der Einheit ist ein nach wie vor ungelöstes und offenes Problem. Warum es zu unterschiedlichen Kirchengemeinschaften kam, kann möglicherweise mit einer Situation verglichen werden, die Max Planck später so
    beschrieb, dass sich ein neues Paradigma nicht in der Weise durchsetzt, dass die Gegner überzeugt werden und ihre Einstellung ändern, sondern indem sich neue Personenkreise bilden, die sich dem alternativen Konzept anschließen. Für die spätmittelalterliche Gesellschaft (wiewohl der Begriff erst im 19. Jahrhundert eingeführt wurde) bedeutet diese kirchliche Aufsplittung ein Riss in der seitherigen weltanschaulichen Geschlossenheit. Neue gesellschaftliche Dimensionen, wie sie für uns heute selbstverständlich sind, halten Einzug: Pluralisierung, Diversifizierung, Spezialisierung. Dies erfordert Konzentration und Selbstbescheidung, Toleranz und Offenheit, Kooperation über soziale Grenzen hinweg, also Verhaltensweisen, wie sie nun sukzessive zu erlernen sein werden und heute noch sind. Die zunehmende Trennung von Kirche und Staat, von Kirche und bürgerlicher Gesellschaft, bis hin zum Laizismus, beginnt hier in der Reformationszeit. Mit der Pluralisierung entstand die Frage nach der Verhältnisbestimmung von Partikularismus und Universalismus, dem Verhältnis vom Ganzen zum Einzelnen, wie sie beispielsweise im gegenwärtigen Europa nicht erst seit dem Brexit Großbritanniens an Brisanz zunimmt. Ein m.E. konstruktiver Lösungsansatz - aber das nur nebenbei - wie er jüngst von Erwin Teufel erneut vorgeschlagen wurde, ist eine Erweiterung des Subsidiaritätsprinzips auf möglichst breiter gesellschaftlicher Ebene.
  3. Mit der Reformation geht eine kulturgeschichtliche Wende einher, ein beginnender Befreiungsprozess von übergeordneten Normierungen, unhinterfragbaren Definitionen, sozialen Ortsbestimmungen oder kanonisierten Ritualen. Eine Art Entmythologisierung von Religion und Welt fördert Formen der Aufklärung wie die verstärkte Hinwendung zur Welt, eine Forschungs- und Bildungsbewegung (Schulwesen), die Verbreitung von Naturwissenschaft und Technik. Insofern bildet die Reformation eine wesentliche geistesgeschichtliche Voraussetzung für das Zeitalter der Aufklärung in Europa und Nordamerika (etwa 1650 bis 1800).
  4. Die Reformation bringt eine kommunikationsgeschichtliche Wende. Entscheidende Voraussetzung ist die Bildung einer einheitlichen deutschen Sprache, wie sie Luther durch seine Bibelübersetzung geprägt hat. Übrigens hat schon einmal eine Bibelübersetzung den Germanen zur Schriftsprache verholfen: als ältester überlieferter Text in einer germanischen Sprache ist die Wulfila Bibel aus dem 4. Jahrhundert der Schlüssel für eine gemeinsame Muttersprache der germanischen Völker. Wulfila (311-383) war ein westgotischer Bischof, der die Bibel für die zum Christentum übergetretenen Goten aus dem Griechischen übersetzte. - In Luthers Zeit kamen neue Kommunikationstechniken hinzu: die Erfindung des Buchdrucks und damit die Massenvervielfältigung von Schriften durch Johannes Gutenberg. Diese technischen Möglichkeiten hat Luther erkannt und genutzt: durch seine Flugschriften ist er zum Vorreiter moderner Massenkommunikation geworden. Diese wiederum hatte Veränderungen im Selbstbewusstsein der Bevölkerung zur Folge. So etwas wie Öffentlichkeit, die Idee einer dynamischen und pluralistischen sozialen Dimension, überhaupt die Zivilgesellschaft oder das Bürgertum sind ohne die Gedankenwelt der Reformation und ihre kommunikationstechnische Verbreitung nicht zu denken. Luther gebührt somit ein wichtiger Anteil am Zustandekommen der modernen Welt.
  5. Was der Reformation weiter zugute kam, war das Zeitalter der Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert. "Ad fontes" - zu den Quellen, war das Motto der Neubelebung der kulturellen Leistungen der griechischen und römischen Antike. Für Luther hieß das: zurück zu der Quelle des Christentums, der Bibel. Die Wiederentdeckung und -belebung des biblischen Evangeliums, die Übersetzung der Bibel in verständliches Deutsch und ihre Publizierung geschahen in gewisser Parallelität zur neuen Aneignung antiken Wissens durch die Gelehrten und Künstler der Renaissance-Zeit.

Luthers Herkunft

  • Luthers Vater, ein Bauernsohn aus Möhra, zieht 1484 kurz nach Luthers Geburt von Eisleben nach Mansfeld und versucht dort, die Existenz der Familie durch Beteiligungen im Kupferschieferbergbau zu verbessern. Dies gelingt ihm tatsächlich: bereits 1491 zählt die Familie zu den angesehensten der Stadt Mansfeld. Hans Luder war Hüttenmeister, Minenmiteigner und Ratsherr. Margarete Luder hatte eine große Kinderschar zu versorgen, die sie gut kirchlich, streng, aber liebevoll erzog.
  • Als Dreizehnjähriger besuchte er 1497 in Magdeburg die Domschule und lernte dort die "Brüder vom gemeinsamen Leben" (devotio moderna) kennen. Die „neue Frömmigkeit“ war eine religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb der spätmittelalterlichen Kirche: Studium der grundlegenden Texte des Christentums, um eine persönliche Beziehung zu Gott zu finden.
  • Er wurde dann zu Verwandten nach Eisenach gegeben. Er besucht die städtische Pfarrschule und erlebt eine gut katholische und sonnige Jugendzeit. Die finanzielle Situation der Familie erlaubt es, daß Luther 1501 ein Studium an einer der bedeutendsten Universitäten, in Erfurt, beginnen kann. Sein Vater hofft, ihm durch das Jurastudium zu einer respektablen Existenz zu verhelfen. Aber zuerst musste er die sieben freien Künste (Grammatik, Rhetorik, Mathematik/Logik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) erlernen, eine Art Studium Generale, das er 1505 mit dem Magister abschloss.
  • Der Eintritt ins Kloster, der ohne und gegen den Willen seines Vaters erfolgte, bildet das große Rätsel in Luthers Leben. 1505, 21jährig, trat er in das Augustiner-Eremiten-Kloster in Erfurt ein. Das Erlebnis von "Stotternheim" wird in der Forschung nicht als hinreichende Erklärung für Luthers Klostereintritt gesehen. Martin Luther reiste wenige Wochen nach Beginn des Jurastudiums nach Mansfeld zu seinen Eltern. Auf dem Rückweg, so wird erzählt, wurde er am 2. Juli 1505 von einem schweren Gewitter beim Dorf Stotternheim in der Nähe von Erfurt überrascht. Auf dem freien Feld suchte er unter einem Baum Schutz, als ihn plötzlich ein Blitzschlag sich zu Boden werfen ließ. In Todesangst rief er die Heilige Anna an und gelobte: „Ich will Mönch werden!" Zwei Wochen später trat Martin Luther am 17. Juli 1505 in das Augustinereremitenkloster ein, der strengsten Mönchsgemeinschaft von Erfurt. Weder Freunde noch sein Vater konnten ihn umstimmen.

Klosterkämpfe

  • Das zeigt sich besonders im Bußsakrament, dem Bekenntnis der Sünden und dem Zuspruch der Absolution. Das "facere quod in se est" bedeutet: 1) die Sünden vollständig zu beichten, 2) einen Akt der Reue in sich zu erwecken. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, ist die Absolution des Priesters gültig.
  • Es ging nicht darum, den Zugang zum Himmel mit guten Werken zu erreichen, also die sog. Werkgerechtigkeit zu erlangen, wie oftmals gesagt wird. Der herrschende Nominalismus lehrte lediglich: "facere quod in se est" - zu tun, was an einem liegt. Die Gerechtsprechung des Menschen bleibt ein Geschenk der göttlichen Gnade. Aber der Mensch muss die Voraussetzung für den Empfang dieses Geschenks schaffen. Wie später Goethe am Schluss vom Faust schreiben sollte: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen."
  • Den erhofften Frieden fand Luther nur kurze Zeit, er geriet in immer tiefere innere Not. Die Forderungen Gottes und der Kirche nahm er so ernst, wie sie gemeint waren. Er ringt mit der Erfüllung dieser Forderungen - und zerbricht an ihnen.
  • Die Motivation für die Reue soll nicht darin bestehen, die zeitlichen und ewigen Folgen der Sünde zu umgehen, d.h. Reue zu zeigen, um die "eigene Haut" zu retten, weil es dadurch immer noch um den Menschen selbst geht, d.h. eine Art von Egoismus. Gültig ist Reue nur, wenn sie aus reiner Liebe zu Gott geschieht. Also bemühte sich Luther verzweifelt, diese Liebe zu Gott in seinem Herzen zu erwecken. Doch der Gedanke an sein eigenes Geschick füllte sein Inneres, er blieb in seiner Ichhaftigkeit befangen, war sein eigenes Gefängnis. Er wollte sich diese Liebe zu Gott abringen, vermochte es aber nicht.
  • Vollständigkeit der Beichte: die Frage, ob er trotz immer erneutem Durchsuchen aller Winkel und Falten seiner Seele wirklich alle Sünden gebeichtet habe, ließ ihm keine Ruhe. Dabei stieß er auf ein Phänomen, das ihn erschrecken ließ: die Rückerinnerung an eine begangene Sünde ließ ihn die entsprechende Tat nicht verabscheuen, statt dessen wurde die Lust an der Sünde wieder lebendig und stürzte ihn in eine neue Gedankensünde. Diese Art von Selbstergründung förderte sein sündiges Ich und forderte es geradezu heraus.
  • Da er die beiden Vorbedingungen vollkommener Reue und vollständiger Beichte nicht erfüllte, konnte Luther nicht glauben, dass ihm seine Sünden vergeben sind. Das führte ihn zu der später berühmt gewordenen Frage: "Wie kriege ich einen gnädigen Gott?"
  • Luther fürchtete, von Gott verdammt zu sein. Diese Furcht zeitigte weitere Folgen: er wünschte, dass Gott nicht existierte, er wollte ihn los haben. Er hasste Gott, der dem Menschen zwar eine Tür zum Heil und zur Seligkeit öffnete, die Schwelle aber so hoch setzte, dass er, Luther, sie nicht überschreiten konnte. Er kam nur bis zum "Vorzimmer" der Gnade, blieb somit kurz vor dem Ziel stecken. Liebe zu Gott ist die Vorbedingung, sein Herz aber fühlte statt Liebe Hass gegen Gott. "Die Angst mich zu verzweifeln trieb, dass nichts denn Sterben bei mir blieb, zur Hölle musst ich sinken."
  • Lösungsversuche, das Problem durch Mystik, einer gedanklichen Verschmelzung mit Gott, oder die Fahrt nach Rom, zum Zentrum der Kirche, zu lösen, waren vergeblich.
  • In dieser Ausweglosigkeit kam ein erster Lichtschimmer durch den Generalvikar seines Ordens, Johann von Staupitz. Er lehrte Luther: a) Das innere Leiden als einen Weg Gottes zu verstehen, b) auf die im leidenden Christus offenbarte Liebe Gottes zu sehen, - sub specie contraria, und c) was die Sakramentszweifel angehe, stehe am Anfang des Weges zu Gott nicht menschliches Bemühen (Nominalismus), vielmehr mache Gottes Gnade den Anfang, die gratia praeveniens (Thomas von Aquin). Die Gnade setzt nicht erst nach der Buße und Reue ein, sondern schon vorher. Sie ist es, die die Voraussetzung zum Empfang der Absolution schafft. Gott ist schon "im Vorzimmer" und reicht seine Gnade. Es ist schon Gnade Gottes, seine Sünden erkennen und bekennen zu wollen. Nachdem Luther das klar geworden war, sah er Gott und Christus mit neuen Augen: nicht mehr nur als Richter, sondern auch als Helfer und Freunde. Doch war ihm dies nur eine ergänzende Sicht, jedoch noch kein Ausweg aus seinen Zweifeln.

Die Lösung: sola scriptura (allein durch die Heilige Schrift)

Was Luther in seiner Not nicht geholfen hat: die Kirche und ihre Lehre, die christlichen Rituale, kirchliche Traditionen, große Gelehrte, wohlmeinende Seelsorger und Berater, also: kein Mensch und keine menschliche Einrichtung. Es gab nur einen letzten und einzigen Ort, an dem er Hilfe erfuhr: die Heilige Schrift. Nicht die Bücher über die Bibel, nicht gelehrte oder gar raffinierte Auslegungen konnten seine Verzweiflung auflösen. Allein die direkte und intensive Beschäftigung mit biblischen Aussagen war in der Lage, ihm weiterzuhelfen.

  1. Luther erlebte die Bibel als viva vox dei (lebendige Stimme Gottes), er wusste sich von Gott angesprochen. Und das, obwohl die Bibel von schwachen und sündigen Menschen geschrieben wurde und nicht vom Himmel fiel. Der "Schatz ist in irdenen Gefäßen", in Gefäßen, die erden, aus und von der Erde sind. Eine solch irdische, erdgebundene Abfassung von Gottes Wort betrachtete Luther als Notbehelf, eine Anpassung Gottes an die Schwachheit der Menschen. Der Schatz befindet sich nicht in den Schatzkammern der Welt, der "Schatz liegt im Acker", hier ist er zu bergen, die »Schatzkiste« muss man öffnen, erst dann erschließen sich ihre Schätze. So kommt Gott in seiner Selbstentäußerung nicht zu den Kompetenten, sondern er kommt in die Krippe, in einen Futtertrog fürs Vieh ...
  2. Das Wichtigste an der Bibel sind für Luther nicht Worte und Sätze, sondern eine Person, Jesus Christus. Er ist die definitive Offenbarung Gottes, mit der Gott zu den Menschen spricht. Die Bibel steht nicht über Jesus, sondern hat die Aufgabe zu ihm hinzuführen. Den »roten Faden« der Bibel erkennt Luther in dem, "was Christum treibet", was Christus voranbringt, zu ihm hinbewegt.
  3. Für Luther ist die Bibel das Medium, mit dem Gott mit den Menschen kommuniziert, ein Weg, den Gott selbst gewählt hat, nicht der Mensch. Damit kritisiert er gleichzeitig andere Versuche, mit Gott in Kontakt zu kommen, z.B. durch formale Teilnahme an kirchlichen Ritualen oder die Versuche der Mystik, mit Gott und dem Weltall eins zu werden oder durch philosophische Gedanken über das Ewige. Gott redet allein durch das Wort. Andere Offenbarungsquellen lehnt Luther ab, dazu gehören kirchliche Konzile, Dekrete, Bullen von Päpsten usw. , sie sind "Menschenfündlein". Ihnen den Anstrich zu geben, von Gott zu kommen, ist Betrug und ein Eingriff in die Majestät Gottes. Menschliche Gottesbilder und Vorstellungen von Gott sind Illusionen, die dem menschlichen Bedürfnis nach Wahrheit und Gewissheit zwar entspringen, ihm aber nicht entgegenkommen und in die Irre führen. Wahrheit und Gewissheit empfängt der Mensch allein aus dem Sprechen Gottes. Und das ist Christus.
  4. Das Gottesverhältnis ist offen und klar in Sprache gefasst. Denn das ist die Methode und das Mittel Gottes. "Das Wort Gottes wird nicht leer zurückkommen" (Jes 55,11). Insofern ist es nicht bloß dahingesagtes Wort, sondern das dynamische, schöpferische Handeln von Gott selbst, ein Wort der Tat. Welt und Mensch sind durch das Wort erschaffen (Kosmologie, Anthropologie). Aus dem Wort geworden, durch das Wort neu geworden.
  5. Dabei geht Luther davon aus, dass die persönliche Ansprache Gottes eine persönliche Beziehung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen schafft. Eine Beziehung, die nicht erst über Kleriker indirekt hergestellt werden muss. Er nennt diese Gottesbeziehung "Priestertum aller Gläubigen".
  6. Das menschliche Sensorium für die Beziehung zu Gott ist nicht die Vernunft, auch nicht ein religiöses Empfinden oder erhebende Gefühle, sondern das Gewissen. Nach Luther ist das Gewissen das eigentliche Zentrum der Gottesbeziehung. Dabei geht es um Wissen und Gewissheit, nicht um Denken, Vermuten oder Fühlen.
  7. Die Bezeichnung "Wort Gottes" besagt, dass die Gemeinschaft mit Gott ihren Ursprung nicht im Menschen, sondern in Gott selbst hat: extra nos - pro nobis (außer uns - für uns). Nicht wir dringen zu ihm vor, sondern er kommt zu uns. Wie? Mit dem Wort, indem er uns anspricht. Nur dann entsteht diese Gemeinschaft, alles andere ist Einbildung und Wunschdenken. Das Turmerlebnis führt Luther zum sola gratia (allein durch Gnade)
  • Das gründliche Studium biblischer Texte führte Luther zur Befreiung von seinen inneren Kämpfen und Qualen. Der Ort, an dem dies geschah, war Luthers Zimmer im Turm des Wittenberger Klosters. Es dürfte im Herbst 1514 gewesen sein, als Luther den 71. Psalm studierte, der ihn zu einem neuen Verständnis der Gerechtigkeit Gottes führte. Es waren die Worte des zweiten Verses: "In iustitia tua libera me" (in deiner Gerechtigkeit befreie mich). Die Worte "iustus" und "iustitia" erschreckten ihn und waren ein Stachel in seinem Gewissen. Dass die Gerechtigkeit Gottes ihn zur Freiheit führen solle, war ihm völlig unverständlich. Denn der Gerechtigkeit Gottes konnte er nicht entsprechen, also konnte er auch nicht durch sie befreit werden und musste sich als verloren ansehen. Psalm 71 führte ihn zu Texten im Römerbrief (1,17; 3,21ff), in denen er eine entscheidende philologische Entdeckung machte: der Genitiv "Gerechtigkeit Gottes" ist kein Genetivus subjectivus, sondern objectivus. Gerechtigkeit Gottes ist hier nicht als Qualität Gottes verstanden, sondern als eine Eigenschaft, die er anderen, einem "Objekt" verleiht, eine Gerechtigkeit, die nicht besessen und behauptet, sondern weitergegeben wird, eine den Menschen gerecht machende Gerechtigkeit.
  • Wie er von Staupitz schon gelernt hatte, dass die Liebe zu Gott kein Werk ist, versteht er nun auch die Gerechtigkeit Gottes nicht mehr als Krönung eigenen Ringens, sondern als reines Gnadengeschenk, das Gott "gratis" gibt: sola gratia, allein weil er gnädig sein will.
  • Weil es ein Geschenk Gottes ist, eignet ihm alle Gewissheit, die der Mensch durch eigenes Bemühen nie erreichen kann. In späteren Außeinandersetzungen kämpft Luther immer um und für die Gewissheit des Heils, das für ihn einzig tragende Lebensfundament.
  • Mit diesem Geschenk Gottes fühlt sich Luther neu geboren, die Pforten des Paradieses waren ihm aufgetan. So sehr er das Wort "Gerechtigkeit Gottes" gehasst hatte, so lieb wurde es ihm jetzt. "Nun freut euch lieben Christen gmein, und lasst uns fröhlich springen". Gott hatte Luther aus seiner großen Not befreit.
  • Im Zusammenhang dieser neuen Freiheit kann auch Luthers Namensänderung gesehen werden: aus "Luder" machte er "Luther". Dabei soll er den mittleren Teil des griechischen Wortes für den "Freien", ἐλεύθερος (eleutheros), "leuther" als Vorlage für "Luther" genommen haben.

Wie erlangt der Mensch Gottes Gerechtigkeit: sola fide (allein durch den Glauben)

Auf welche Weise kann der Mensch die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, empfangen? Wie kommt dieses Geschenk Gottes zu ihm?

  • Aus seiner bisherigen Tradition kannte Luther Glaube als notitia und assensus, als Kenntnis der Kirchenlehre und intellektuelle Zustimmung. Als Alternative stellt er dem entgegen: Glaube ist kindliches Vertrauen, das Gott selbst durch seine fürsorgliche Liebe in unsere Herzen gelegt hat.
  • Glaube ist für Luther nicht das Für-wahr-halten Gottes, die Annahme, dass er existiere. Glaube ist für ihn, ein Geschenk anzunehmen, nämlich das Geschenk der Gerechtigkeit Gottes, die Rechtfertigung des ungerechten Menschen durch Gott. Im Glauben ist der Mensch nicht aktiv, sondern passiv, er empfängt und nimmt das "donum dei" an. Der Glaube wirkt sich am Menschen aus, aber er kommt nicht vom Menschen. Durch den passiv empfangenen Glauben wird der Mensch jedoch in einer neuen Weise aktiv.
  • Im Turmerlebnis hat Luther Christus bzw. das Kreuz Christi gefunden. Das Kreuz erkannte er als die größte Offenbarung des verurteilenden Gerichts Gottes. Es trifft jedoch seinen Sohn anstelle der Verursacher der Sünde, deren Schuld er übernimmt und auf sich vereint. "Gott selbst ist tot." Deshalb gibt es keinen größeren Beweis für die Liebe Gottes als das Kreuz: Solus Christus! Hier ist der Kern von Luthers Rechtfertigungslehre.
    Fassen wir das "sola fide" zusammen: Der Weg vom Menschen zu Gott ist verschlossen. Grund ist die Sünde des Menschen, mit der er sich von Gott distanziert hat. Es gibt nur den Weg von Gott zum Menschen, der Christus heißt. Der Glaube ist dabei das "leere Gefäß", das von Christus erfüllt wird. Dazu gibt es keine Alternative, kein anderer Zugang zu Gott als dieses vertrauende Empfangen: sola fide. Das ist Luthers neue befreiende Einsicht. Hier kann der Mensch sein.
   

Kontaktinformationen  

Pfarrer Roland Kusterer
Kapuzinergasse 2
Oberkirch, 77704
07802 / 2291
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Öffnungszeiten Pfarramt  

Unser Pfarramt in der Kapuzinergasse 2 ist zu folgenden Zeiten geöffnet:

Mo: 9:30 - 11:30

Di: 9:30 - 11:30

Do: 9:30 - 11:30

Fr: 9:30 - 11:30

Pfarramtsekretärin: Sabine Dauber

Tel: 07802 / 2291

pfarramt@ekiba-oberkirch.de

   

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Sonntag, 28.04.19, 10:00 - 11:00 Gottesdienst mit Pfr. i.R. Schweinfurth
Montag, 29.04.19, 18:00 - 19:30 Probe Gospelchor
Dienstag, 30.04.19, 19:30 - 21:00 Probe Posaunenchor
Mittwoch, 1.05.19, 15:00 - 16:30 Konfirmandenunterricht Gruppe 1
Mittwoch, 1.05.19, 16:45 - 18:15 Konfirmandenunterricht Gruppe 2
Freitag, 3.05.19, 18:15 - 19:45 Probe Chor Surprisium
Sonntag, 5.05.19, 10:00 - 11:00 Gottesdienst mit Abendmahl
   

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